Bornholm
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Die Rundkirchen von Bornholm

In Dänemark gibt es insgesamt sechs Rundkirchen, vier davon befinden sich allein auf Bornholm. Für Liebhaber außergewöhnlicher Architektur ist Bornholm aus diesem Grund unbedingt eine Reise wert. Wenn man Urlaub auf der Insel macht, sollte man eine Besichtigung der Rundkirchen keinesfalls versäumen. Die meisten dieser Rundkirchen dienten in Kriegszeiten als Wehrbauten zum Schutz der Bevölkerung gegen mögliche Angreifer. Besonders gegen Piraten, die bei ihren Kreuzzügen Richtung Estland und Lettland auch immer wieder Bornholm angriffen, wollten die Einwohner geschützt sein. Alle vier Rundkirchen wurden etwa im 11.-12. Jahrhundert (zwischen 1150 und 1250) erbaut. Als Baumaterial wurde Bornholmer Granit verwandt - daher sind die Kirchen noch heute in einem tadellosen Zustand. Die Dächer waren ehemals flach angelegt, wurden später jedoch kegelförmig umgebaut. Alle vier Rundkirchen sind in einem strahlenden Weiß gehalten. Jedes Jahr kurz vor Pfingsten wird der weiße Anstrich erneuert. Dieser alte Brauch wird noch heute gepflegt. Sie sind so weithin sichtbar und interessante Kontrastpunkte in der Bornholmer Landschaft. Die Rundkirchen besitzen keine Glocken, der Glockenturm der Rundkirchen ist ein freistehender Turm außerhalb der eigentlichen Kirche. Charakteristisch für alle vier Rundkirchen ist ein Zentralpfeiler im Inneren.


Die Ny Kirche

Mit zwei Stockwerken die kleinste der vier Rundkirchen ist die Nykirke bei Nyker, nahe Rønne. Sie wurde Schätzungen zufolge im 13. Jahrhundert in romanischem Baustil erbaut und ist damit die jüngste der vier Kirchen. Die Ny Kirche wurde in früheren Zeiten auch als Allerheiligenkirche bezeichnet. Im Inneren sollte man besonderes Augenmerk auf den Mittelpfeiler legen, welcher Fresken der Leidensgeschichte Christi zeigt. Diese stammen aus mehreren Epochen. Die Kanzel wird auf etwa 1610 datiert. Im Waffenhaus (Kirchenvorraum) kann man mehrere Runensteine betrachten. Der alleinstehende Glockenturm der Nykirche befindet sich innerhalb des Friedhofsgeländes. Von den zwei Glocken des Turmes wurde eine in Lübeck gegossen. Sie wurde in der Zeit auf die Insel gebracht, als Bornholm zu Lübeck gehörte.
Gegen Entrichtung eines Eintrittsgeldes von 7,- DKK kann das Innere der Kirche von interessierten Besuchern besichtigt werden.


Die Rundkirche von Østerlars

Die Größte der vier Rundkirchen steht etwas außerhalb von Østerlars im Nordosten von Bornholm an der Straße Richtung Gudhjem. Diese im Stile einer Festung erbaute Kirche ist gleichzeitig die älteste Rundkirche der Insel. Jährlich besuchen etwa 120.000 Touristen dieses bauliche Meisterwerk. Damit gehört die Rundkirche von Østerlars zu einer der Hauptattraktionen Dänemarks. Benannt ist diese Kirche nach ihrem Schutzheiligen St. Laurentius. Die Mauern der Kirche sind an manchen Stellen bis zu zwei Meter dick. Der für diese Bauform typische Mittelfeiler ist hohl. Damit ist der Raum im Inneren des Pfeilers auf jeder Etage nutzbar. Der Durchmesser des Mittelpfeilers beträgt sechs Meter. Die Østerlars Kirche erstreckt sich über drei Etagen. Die unterste Etage beherbergte den Kirchenraum und wurde zum Gottesdienst genutzt. Den Mittelpfeiler zieren Kalkmalereinen aus der Zeit um 1350. Diese wurden zur Zeit der Reformation übermalt und erst zu Ende des 19. Jahrhunderts wieder frei gelegt. Inmitten des Mittelpfeilers steht ein Taufbecken. Dieses stammt ursprünglich aus romanischer Zeit und war in der Rø Kirche aufgestellt. Der Altar im Kirchenraum ist auf einem Steinsockel aufgebaut, der bereits seit der Erbauung der Kirche besteht. Die Altartafeln mit kunstvollen Schnitzereien stammen aus dem 16. Jahrhundert. Zwischenzeitlich waren sie im Nationalmuseum in Kopenhagen ausgestellt, ehe sie nach aufwendiger Restauration nebst neuen Christusdarstellungen durch den Bornholmer Maler Paul Høm aus Gudhjem im Jahr 1956 wieder in der Kirche angebracht wurden. Auch die Kirche erlebte in dieser Zeit aufwändige Wiederherstellung. Die Kanzel mit aufwändigen Schnitzarbeiten stammt ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert. Auch eine Orgel wurde später eingebaut. Dieser Raum hat ein Deckengewölbe.
Die erste Etage erreicht man über eine, in die Außenmauer eingearbeitete, schmale Treppe. Auch diese war so angelegt, dass sie gut zu verteidigen war. Diese Etage bot Frauen und Kindern Schutz und Unterkunft. Auch hier ist der Innenraum des Mittelpfeilers begehbar und die Decke ziert ein Deckengewölbe.
Die zweite Etage diente ausschließlig der Verteidigung. Von hier hatte man durch die schmalen Fenster einen guten Blick weit über die Umgebung. Heute kann man von dort gut die komplizierte Dachkonstrukrion aus Holz bestaunen. Das Dach der Kirche war ehemals nicht spitz. In die ursprünglich flache Dachform war ein Wehr- oder Rundgang eingearbeitet. Erst um 1600, nach dem Verlust der Wehrhaftigkeit der Kirchen durch die Verbreitung von Artillerie und Schusswaffen, erhielten die Kirchen ein kegelförmiges Dach. Die aktuelle Dachkonstruktion datiert auf das Jahr 1744. Interessant ist auch, dass die Fenster der Kirche ehemals sehr klein waren. Das erhöhte die Wehrhaftigkeit der Anlage. Sie wurden in der Reformationszeit durch neue und größere Fenster ersetzt. Auch die Außenpfeiler wurden erst später an das Bauwerk angesetzt. Im Vorraum und außerhalb der Kirche kann man drei Runensteine aus der Zeit um 1050 bewundern. Auch ein Grabstein aus gotländischem Kalkstein steht dort. Der Vorraum der Kirche diente früher als Abstellplatz für Waffen.
Beide Glocken des unweit der Kirche auf dem Friedhofsgelände stehenden eckigen Glockenturms wurden in Lübeck gegossen, die größere 1640, die kleinere 1684.
Unter der Kirche wurde unter einer massiven Granitdecke unlängst ein Hohlraum entdeckt. Es gibt immer wieder Spekulationen, laut denen sich dort der Sagenumwobene Templerschatz befinden könnte.
Der Eintritt beträgt 10,- DKK.


Die Olskirche

Im Norden der Insel in Olsker befindet sich die im Jahr 1150 erbaute Rundkirche Olskirke. Diese schlanke aus Granit gebaute Kirche befindet sich auf einer etwa 110 Meter hohen Anhöhe. Mit einer Gesamthöhe von 26 Metern ist die Olskirche die höchste der vier Rundkirchen Bornholms. Sie gilt als eleganteste aller Kirchen der Insel. Auch diese Kirche wurde vorrangig zum Zweck der Verteidigung erbaut. Insgesamt gibt es in der Olskirche neun Schießscharten. Die Dachkonstruktion wird als eher ungewöhnlich beschrieben. Das Altarbild stammt aus dem Jahr 1950. Über die Bauherren ist wenig überliefert. Historiker schreiben den Bau der Olskirche den Templern zu. Zum Kirchenbau gesellt sich auch hier der frei stehende Glockenturm mit quadratischem Grundriss.


Die Rundkirche in Nylars

Die vierte Rundkirche der Insel steht in Nylars im Südwesten Bornholms nahe Rø. Viele Urlauber bezeichnen diese, um 1160 erbaute Kirche, als schönste der Insel. Gleichzeitig gilt diese Kirche als die am besten erhaltene Rundkirche auf Bornholm. Besonders imposant erscheint das Innere dieser Kirche. Die schönen Fresken am Mittelpfeiler zeigen verschiedene Szenen von der Erschaffung Adams und Evas sowie den Sündenfall und der Vertreibung aus dem Paradies. Diese Kalkmalereien werden auf ca. 1250 datiert. Dazu kann man moderne Glasmosaiken bewundern. Weiterhin befinden sich zwei Runensteine im Kirchenvorraum, von denen einer aus dem Jahr 1050 stammt. Der Innendurchmesser des dreistöckigen Rundschiffes beträgt elf Meter.
Der Eintritt in dieses Gotteshaus ist kostenfrei.