Sankt Bodils Kirke, Bodilsker, Bornholm
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Bodilsker und Sankt Bodils Kirke

Kirchengemeinde im Osten Bornholms

Bodilsker ist eine Kirchengemeinde im Osten Bornholms unweit von Nexø. In ihrem Einzugsbereich wohnen ca. 930 Einwohner. Zentrum ist die weiß gekalkte Sankt Bodils Kirke, die inmitten von Feldern malerisch und typisch für Bornholms Kirchen in die Landschaft eingebettet ist.

Sankt Bodils Kirke mit Friedhof, Bornholm
Sankt Bodils Kirke mit Friedhof

Sankt Bodils Kirke

Die Sankt Bodlis Kirche liegt südwestlich des Slamrebjerg mit dem sie umgebenden Friedhofsgelände auf 55m über dem Meer direkt an der Straße 38 zwischen Rønne und Nexø. Der Kirchenturm ist über das Richtung Süden flach abfallende Gelände schon von weitem zu sehen. Die Kirche wirkt durch ihre unterschiedlichen Dachfarben und Baugrößen der einzelnen Gebäudeteile sehr kleinteilig. Einzelne Elemente der Fassade sind nicht weiß gekalkt. Außen am Turm und am Kirchenvorraum stehen verschiedene Grabsteine, Grabplatten und Runensteine. Ihren Namen hat die Kirche von einem enlischen Mönch aus dem Mittelalter. Der Heilige Botulf (auch Botulph, Botolph) lebte im 7. Jahrhundert. In der Sprachgeschichte wurde daraus Bodil. Über den Mönch ist nur wenig bekannt. In einer Chronik aus dem Jahr 645 wird von einem Klosterbau durch ihn berichtet, der aber wohl in England stattfand. Er ist der Schutzheilige der Bodils Kirke.

Sankt Bodils Kirke, Bornholm
Sankt Bodils Kirke

Der Bau der Kirche geht auf Ende 12. - Anfang des 13. Jahrhunderts zurück. Erste Erwähnung findet die Kirche in einer Chronik des Bistums von Lund im Jahr 1569 als "Boels Kirche". So hat sich der Name bis heute erhalten, obwohl es keinen wirklichen Heiligen Bodil gibt. Die romanische Kirche besitzt einen spätromanischen Turm mit Treppengiebel (breiter als das Kirchenschiff) und mehrere Querschiffe, aus verschiedenen Epochen. Das jüngste von ihnen ist das nördliche Querschiff von 1911-13. Es war nötig geworden, um mehr Kirchgängern Platz zu bieten. Dazu gibt es den (für Bornholm typischen) freistehenden Glockenturm. An der Außenwand der Kirche stehen mehrere alte Grabsteine, die mit Schrift versehen sind. Auch im Kirchenvorraum findet man mehrere Steine und Steinfragmente, teilweise mit christlichen, teilweise mit heidnischen Runen-Symbolen.

Der Kircheninnenraum

Im um 1560 aus Bornholmer Naturstein gebauten Kirchenvorraum sind verschiedene Steine aufgestellt. Gleich links findet man den Grabstein des Pfarrers Simon Plockress mit einer umfangreichen Inschrift aus dem Jahr 1786. Der Pfarrer starb im Alter von 49 Jahren. An der Wand daneben hängt eine der vielen Bornholmer Pesttafeln, auf der die Opfer der Seuche nach den jeweiligen Kirchgemeinden aufgelistet sind. Daneben steht ein Runenstein mit der Inschrift "Thorkil und Alvkil errichteten diesen Stein für ihren Vater Økil". Darüber wurde ein kleines Bruchstück eines Runensteins an der Wand angebracht, das lediglich noch eine Rune zeigt. Es ist der Rest eines Runensteines, den man im Jahr 1869 in Langedeby fand und der sich heute im Kulturhistorischen Museum in Rønne befindet. Dahinter kommt man durch eine Tür in den Turm. Da der Turm älter als der Kirchenvorraum ist, führte diese Tür früher aus dem Turm ins Freie. Rechts von der Eingangstür steht ein schlanker Runenstein mit der Inschrift: "Esben liess diesen Stein für seine Frau Butirda errichten. Gott gebe ihr ewigen Frieden". Der Übergang zum Kirchenraum ist kunstvoll gemauert.

Innenraum der Sankt Bodils Kirke, Bornholm
Der Innenraum der Sankt Bodils Kirke mit Orgel, Altar und Kanzel

Der südliche Zugang zur Kirche war den Männern vorbehalten, d.h. die Tür vom Kirchenvorraum zum Chor war die sogenannte "Männertür". Die ehemals gegenüber liegende "Frauentür" an der Nordseite der Kirche wurde später vermauert und zu einem Fenster umfunktioniert. Im Kirchenraum findet man zwei Taufbecken. Eines ist neu und aus Granit und wird auch bei Taufen benutzt wird. Das andere ist nicht mehr in Benutzung und wahrscheinlich von 1600. Es stammt von der Insel Gotland und ist aus gotländischem grauen Kalkstein gefertigt. Darüber hängt das ehemalige Altarbild von Jorgen Rood (1808-1888) "Christus auf dem Weg nach Emaus" aus dem Jahre 1856. Das ursrüngliche Altarbild von 1598 ist noch teilweise erhalten und im Kulturhistorischen Museum in Rønne zu sehen.

Der alte Taufstein der Sankt Bodils Kirke
Der alte Taufstein der Sankt Bodils Kirke

Die Apsis zeigt sich in ihrer originalen habrunden Form. Hinter dem Altar ist ein kleines Fenster. Auf dem relativ neuen Altar steht ein großes goldenes Kruzifix und ein goldener Leuchter, die ungefähr aus dem Jahr 1550 stammen. Links und rechts vom Altar stehen in die Wand eingelassen zwei Marmorstatuen von Christus und Moses. Die reich verzierte Kanzel von Anfang des 17. Jahrhunderts ist aus Eichenholz gefertigt. Früher war sie weiß gestrichen und mit Gold belegt. In vier Feldern sind die Evangelien zu sehen. Die Orgel stammt aus der Werkstatt von Paul Gerhard Andersen aus dem Jahr 1970. An der Decke hängt seit 1984 ein Votivschiff. Es ist die "Rialto" aus Svaneke.

Der Altar der Sankt Bodils Kirke
Der Altar der Sankt Bodils Kirke

Der Turm

Der Kirchenturm hat vier Etagen und wird von einem Stufengiebel überdacht. Er hatte nie die Funktion des Glockenturmes. Wie auf Bornholm üblich, gab es dafür den separaten Glockenturm. Der Turm der Bodils Kirke hatte vielmehr die Funktion Lebnsmittel zu lagern. Darauf weisen der Aufbau und eine nach außen führende Packhaustür hin. Wahrscheinlich wurden dort Abgaben gelagert, die als Zehten dem Bischof von Lund zugingen.

Der markante Turm der Sankt Bodils Kirke
Der markante Turm der Sankt Bodils Kirke

Der Glockenturm

Der markante Glockenturm mit seinem Fachwerkmuster beherbergt zwei Glocken aus den Jahren 1612 und 1841. Ehemals diente der Turm als Durchgang auf den Friedhof und zur Kirche. Heute ist die Tür nach außen vermauert. Man kommt aber immernoch über den Friedhof in den Turm. Von außen ist am Turm in ca. 3m Höhe ein eingemauerter Feldstein zu erkennen, der halb herausragt.

Glockenturm der Sankt Bodils Kirke in Bodilsker auf Bornholm
Der Glockenturm der Sankt Bodils Kirke mit dem "Hut des Teufels"

Die Sage vom "Hut des Teufels"

Ein, an der Außenseite des Glockenturms der Bodilskirche schräg über dem Fenster eingemauerter, Feldstein wird "Hut des Teufels" genannt. Warum der Stein so unkonventionell eingemauert wurde, ist nicht bekannt. Eine weitläufig bekannte Sage berichtet aber davon, dass der Pfarrer der Kirche vom Teufel verfolgt wurde und sich nur mit Not und in letzter Sekunde auf den geweihten Boden des Friedhofes retten konnte. Daraufhin war der Teufel so zornig, dass er dem Pfarrer seinen Hut hinterher warf. Dieser traf aber den Turm und blieb dort stecken. Dort kann man ihn noch heute sehen.

Feldstein im Glockenturm der Sankt Bodils Kirke auf Bornholm
Feldstein im Glockenturm der Sankt Bodils Kirke auf Bornholm - der "Hut des Teufels"



Sct. Bodils Kirke
Rønnevej 46, Bodilsker
DK - 3730 Nexø
Bornholm



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