Die Aa Kirche in Aakirkeby, Bornholm
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Die Aa Kirche (Aa Kirke) in Aakirkeby


Die Aa Kirche oder auf dänisch Aakirke war lange Zeit Bornholms Hauptkirche und ist heute noch eines der imposantesten Gebäude und Seheswürdigkeiten der Insel. Der graue, aus Bornholmer Silurkalk und Grünsandstein zu Beginn des 12. Jahrhunderts errichtete Kirchenbau im Zentrum von Aakirkeby zeigt die strengen Formen der Romanik. Der Staffelgiebel des 22m hohen ungewöhnlichen Doppelturmes bestimmt die Silhouette der Stadt. Seinen Namen hat die Kirche von den beiden kleinen Flüssen, zwischen denen sie steht - Laeså und Grødby Å. Bis ins letzte Jahrhundert wurde die Kirche auch Kapitelkirche genannt.

Die Aa Kirche in Aakirkeby, Bornholm, Dänemark

Die Aa Kirche in Aakirkeby

Heute ist die von einem Friedhof umgebene Kirche das Zentrum der Stadt Aakirkeby, doch das war nicht immer so. Früher wurden die Toten außerhalb des Stadtgebietes begraben und so war die Friedhofsmauer die Außenmauer der mittelalterlichen Stadt. Das lässt darauf schließen, dass auch die Aa Kirche, wie auch alle anderen 14 romanischen Kirchen Bornholms, eine Dorfkirche war. Der Ort, an dem die Kirche gebaut wurde, war gut gewählt. Im Zentrum Bornholms liefen alle Handelswege zusammen. Dazu hatte man von dem Granitplateau, auf dem Aakirkeby liegt, einen guten Blick weit in die Ebene in Richtung Süden.

Der Turm der Aa Kirche im Zentrum von Aakirkeby, Bornholm, Dänemark

Die Aa Kirche im Zentrum von Aakirkeby, Bornholm

Geschichte der Aa Kirche

Erste christliche Einflüsse gelangten Ende des 11. Jahrhunderts aus Südschweden nach Bornholm. In dieser Zeit begann die Christianisierung der Insel durch die Schonen. Überall auf Bornholm entstanden Kirchen. Die Aa Kirche sollte Bornholms Hauptkirche werden. So wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts mit dem Bau der Aa Kirche als Zentralkirche der Insel begonnen zu bauen. Der Bau fand in verschiedenen Etappen statt, wie man gut von außen an der farblichen Gestaltung des Mauerwerks erkennen kann. Chor, Apsis und der untere Teil des Kirchenschiffes entstanden zuerst. Dabei wurden heller Sandstein und rostbrauner Schiefer aus der Umgebung als Baumaterial genutzt. Man kann teilweise sehr feinteilige aufwändige Arbeiten erkennen. Im Gegensatz dazu entstanden der Turm und die Westseite des Kirchenschiffes aus Silurkalkstein und wurden weit weniger kleinteilig ausgearbeitet. Das lässt darauf schließen, dass die feineren Arbeiten von Handwerkern des Domes zu Lund, der Rest aber von ortsansässigen Handwerkern ausgeführt wurden. Auch diese Kirche besaß eine Männer- und eine Frauentür, die aber im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen teilweise erhalten geblieben sind. Lediglich die Frauentür wurde deutlich sichtbar in ein Fenster umgebaut.

Das Taufbecken in der Aa Kirche - Kombination aus Runen und christlichen Motiven, Bornholm, Dänemark

Das Taufbecken in der Aa Kirche - Kombination aus Runen und christlichen Motiven

In der Kirche im Zentrum der Insel, nicht weit entfernt von der königlichen Gamleborg, fand bis ins 18. Jahrhundert das jährlich am Sonnabend vor Sankt Hans abgehaltene Bornholmer Landsting, eine Art Landtag, statt. Die geistliche und weltliche Macht waren bereits viel früher erst nach Hammershus und dann nach Rønne gewechselt. Im Mittelalter hieß die Kirche Sankt Hans Kirche, da sie Johannes des Täufers geweiht war. Bis ins Jahr 1706 war eine vergoldete Holzfigur die Johannes darstellt in der Kirche zu sehen. Das Kirchenschiff wurde bis ins 19. Jahrhundert durch eine große Arkadenmauer in Längsrichtung geteilt, wahrscheinlich um die Stände voneinander zu trennen. Die beiden letzten Renovierungen, die der Kirche ihre heutige Form gaben, fanden 1874 und 1968 statt. Bis heute strahlt die massive Kirche einen ganz besonderen Reiz auf seine Besucher aus.

Die Kirchenvorhalle der Aa Kirche

Die aus Nexøsandstein errichtetet Vorhalle besitzt ein gemauertes Kuppelgewölbe und ist eine der ältesten ihrer Form in Dänemark. Heute findet man hier eine alte Grabplatte und zwei Runensteine aufgereiht. Die Grabplatte stammt vom Grab des Lübecker Schweder Ketting. Er war in Lübeck Bierbrauer und ab 1565 gewählter Hauptmann von Bornholm. Zu dieser Zeit war Bornholm von der Dänischen Krone zur Tilgung von Schulden an die Lübecker verpfändet worden. Obwohl Fremdherrschaft auf Bornholm nie toleriert wurde, konnte sich der Lübecker durch sein geschicktes Handeln im Sinne der Bornholmer Anerkennung bei der Inselbevölkerung erarbeiten. So stammen viele der Bornholmer Schanzenanlagen, die die Insel vor schwedischen Angriffen schützten von ihm. Der Grabstein zeigt Schweder Ketting und seine beiden Frauen. Diese stammten beide von Bornholm. Obwohl er 1577 in Lübeck starb, wurde er auf eigenen Wunsch in der Aa Kirche auf Bornholm begraben. Der linke Runenstein ist der Grødbystenen. Er datiert auf die Zeit zwischen 1050 - 1150. Seine Inschrift bedeutet: "Thorfast und Troels und Bove, sie setzten zusammen mit Bruder diese Kumlen. Gott und die Mutter Gottes helfe seinem Geist. Sart ritzte recht ein.". Seit 1820 steht er nun in der Aa Kirche. Der rechte Runenstein nennt sich Møllegårdsstenen und steht seit 1824 in der Kirche. Auch er stammt aus der Zeit um ca. 1100. Seine Inschrift lautet: "Gudmund und Frøbjørn errichteten den Stein nach ihrem Vater Esbern. Gott helfe seiner Seele.".

Die Kirchenvorhalle der Aa Kirche mit der Grabplatte und zwei Runensteinen, Bornholm, Dänemark

Die Kirchenvorhalle der Aa Kirche mit der Grabplatte und zwei Runensteinen

Der Innenraum der Aa Kirche

Der Kirchenraum ist groß und hell gestaltet und wird von einer geraden Holzdecke überspannt. Große helle Fenster lassen viel Licht in den Kirchenraum. Einfache Leuchter hängen von der Decke. Links steht eine große Orgel, rechts eine reich verzierte und geschnitzte Kanzel aus der Renaissance.

Der Innenraum der Aa Kirche mit Orgel, Altar und Kanzel, Bornholm, Dänemark

Der Innenraum der Aa Kirche

Die Kanzel der Aa Kirche

Die Kanzel trägt das Wappen von Königin Anne Catrine von Brandenburg, der Gattin Christian IV. Datiert wird die Kanzel auf vor 1612. Auf der Tür zum Aufgang zur Kanzel kann man zwischen zwei Hermen-Säulen das Monogramm Friedrich IV erkennen. An der Kanzel kann man in fünf Tafeln Szenen aus dem Neuen Testament erkennen: Geburt Jesu, Kreuzigung, Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingstwunder. Die Kanzel überdacht ein sechseckiger Baldachin. Auch er ist reich verziert und mit Symbolen gestaltet. An der Wand hinter der Kanzel hängt ein kleines Kruzifix, das um ca. 1500 datiert wird. Bei der letzten Restauration wurde aber die oberste der fünf gefundenen Farbschichten von 1855 erneuert. Rechts neben der Kanzel kann man eine Sanduhr mit fünf Stundengläsern aus der Leipziger Werkstatt von Jacubäus Hartmann sehen.

Die Kanzel der Aa Kirche, Bornholm, Dänemark

Die Kanzel der Aa Kirche

Der Altar der Aa Kirche

Ein Torbogen markiert den Übergang zum Chor und zur Apsis. Das Deckengewölbe des Chores lastet auf vier Pfeilern. Im Chor steht der Taufstein und der geschnitzte und reich verzierte Altar samt Altartisch, beides Renaissance-Arbeiten. Am Altartisch ist die Jahreszahl 1608 angebracht. Die Schnitzereien am Altartisch zeigen in 5 durch Säulenmotive getrennten Motiven biblische Szenen. Die vorderen drei von ihnen tragen zusätzlich Inschriften aus den Johannes Evangelien. Das Altarbild ist von 1600. Die vier Altartafeln werden von fünf Säulen getrennt. Dort sind Texte zum Abendmahl und der Johannes Evangelien niedergeschrieben. Darüber ist zentral ein Motiv der Taufe Jesu sowie zwei Mal das Wappenbild des Domes zu Lund zu sehen. Ganz oben über allem ist, von drei die Kardinaltugenden darstellenden Frauen umgeben, das dänische Reichswappen angebracht. Ein ähnliches Altarbild findet man auch in der Burlöv Kirche in Südschweden.

Der Altar der Aa Kirche in Aakirkeby, Bornholm, Dänemark

Der Altar der Aa Kirche in Aakirkeby

Der Taufstein der Aa Kirche

Der Taufstein wurde um 1300 in einer Gotländischen Werkstatt erstellt. Er ist mit verschiedenen Szenen aus dem Leben Jesu verziert: Reise der heiligen drei Könige, Geburt Christi, Anbetung der Könige, Gefangennahme und Kreuzigung Christi. Der Taufstein war früher gestrichen und stand an einem anderen Ort in der Kirche.

Der Taufstein der Aa Kirche, Bornholm, Dänemark

Der Taufstein der Aa Kirche

Der Turm der Aa Kirche

Der 22 Meter hohe Turm wird von einem abgestuften Zwillingsdach gekrönt. Auch er wurde in mehreren Etappen zu seiner heutigen Form und Größe gebracht. Da das Dach Ähnlichkeit mit dem aus Lübecker Zeit stammenden Mantelturms auf Burg Hammershus hat, geht man davon aus, dass auch das Dach der Aa Kirche in dieser Form von Lübecker Handwerkern ausgeführt wurde. Das Fundament der Vorgängerkonstruktion, eines viereckigen Pyramidendaches, ist in der oberen Etage des Turmes noch sichtbar. Früher gab es einen freistehenden Glockenturm an der südlichen Friedhofsmauer. Heute hängen die Glocken im Turm. Wegen seines guten Klimas wurden im Turm früher Lebensmittel gelagert.

Der markante Turm der Aa Kirche in Aakirkeby, Bornholm, Dänemark

Der markante Turm der Aa Kirche

Der Friedhof an der Aa Kirche

Grabsteine auf dem Friedhof der Aa Kirche in Aakirkeby, Bornholm, Dänemark

Grabsteine auf dem Friedhof der Aa Kirche

Direkt hinter dem Friedhof lag bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts der Pfarrhof Kannikegaard. Danach wechselte die Pfarrerei in ein südlich gelegenes Gebäude, wo sie sich noch heute befindet. Nicht weit entfernt gibt es seit dem Ende des 17. Jahrhunderts ein Hospital, das Leprakranke aufnahm. Es beerbte die Spidlegaards Kapelle außerhalb des Ortes. Heute werden keine Toten mehr auf dem Friedhof der Aa Kirche bestattet. Die vielen alten Grabsteine und Gräber werden gepflegt, so das des berühmten Bornholmer Revierförsters Hans Römer, auf dessen Wirken die Anpflanzung des Almindingen Waldes zurückgeht. Seit 1906 wird der neue Friedhof am Møllevej für Beerdigungen genutzt.

Karte von Aakirkeby, Insel Bornholm, Dänemark

Aa Kirke
Storegade 2
DK - 3720 Aakirkeby, Bornholm
Dänemark

Web: www.aa-kirke.dk



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