Rundkirche Osterlars, Insel Bornholm, Daenemark
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Østerlars Kirche - Bornholms größte Rundkirche


Die größte der vier Bornholmer Rundkirchen steht etwas außerhalb von Østerlars im Nordosten der dänischen Ostseeinsel Bornholm an der Straße Richtung Gudhjem. Diese in romanischem Baustil ähnlich einer Festung erbaute Kirche ist gleichzeitig die älteste Rundkirche der Insel. Jährlich besuchen etwa 120.000 Interessierte dieses bauliche Meisterwerk. Damit gehört die Rundkirche von Østerlars zu einer der Hauptattraktionen Dänemarks.

Karte der Osterlars Rundkirche, Insel Bornholm, Daenemark

Geschichte

Nachdem sich der dänische König Harald Blauzahn im Jahr 960 taufen ließ, löste das Christentum auch auf Bornholm langsam den Glauben der Wikinger ab. Vorherige Christianisierungsversuche scheiterten. Ab dem Beginn des 12. Jahrhunderts entstanden auch auf Bornholm christliche Kirchen. Der massive Rundbau der Østerlars Kirche stammt aus der Zeit um 1160. Die runde Form ist auch bei dieser Kirche eine Folge der unruhigen Zeiten in der Bornholmer Geschichte. Die slawischen Wenden versuchten ihre Vorherrschaft an der südlichen Ostsee gegen Deutsche und Dänen zu behaupten. Dazu kamen Piraten und andere räuberische Feinde, die die Insel regelmäßig heimsuchten und plünderten. Die Bevölkerung Bornholms brauchte im Falle von Angriffen Schutz. Die Rundkirchen dienten damit als Wehr- und Sakralbauten.

Die Oesterlars Rundkirche - Groesste der vier Bornholmer Rundkirchen, Insel Bornholm, Daenemark

Die Østerlars Kirche - Größte und älteste der vier Bornholmer Rundkirchen

Benannt ist die erstmals am 30. August 1332 schriftlich erwähnte Rundkirche von Østerlars nach ihrem Schutzheiligen St. Laurentius von Rom (ext. Link: Wikipedia). Der Name Østerlars Kirche entstand im 16. Jahrhundert und setzt sich aus den Worten Øster für Ost und Lars für Laurentius zusammen. Damit sollte der Bau namentlich von der Nylars Rundkirche abgegrenzt werden.

Osterlars Rundkirche, Insel Bornholm, Daenemark

Massiv und wehrhaft - die Rundkirche in Østerlars bei Gudhjem

Aufbau

Die Mauern des Kirchenbaus sind an manchen Stellen über zwei Meter dick. Sie bestehen aus außen und innen geschichtetem Bornholmer Granit, die Zwischenräume wurden mit Kies und Erde aufgefüllt. Der Außendurchmesser beträgt stattliche 16 Meter. Die Østerlars Kirche erstreckt sich über drei Etagen. Der für diese Bauform typische Mittelfeiler ist bei der Østerlars Kirche hohl. Der Durchmesser des Mittelpfeilers beträgt sechs Meter. Damit ist der Raum im Inneren des Pfeilers auf jeder der drei Etagen nutzbar. Er zieht sich bis in das Dachgeschoss. Die unterste Etage beherbergte den Kirchenraum und wird noch heute zum Gottesdienst genutzt.

Das Taufbecken im Innenraum der Rundkirche in Osterlars, Insel Bornholm, Daenemark

Das Taufbecken in der Mittelsäule der Rundkirche in Østerlars

Der Innenraum

Der Altar im Kirchenraum ist auf einem Steinsockel aufgebaut, der bereits seit der Erbauung der Kirche besteht. Die Altartafeln mit kunstvollen Renaissance-Schnitzereien stammen aus dem 16. Jahrhundert. Zwischenzeitlich waren sie im Nationalmuseum in Kopenhagen ausgestellt, ehe sie nach aufwendiger Restauration nebst neuen Christusdarstellungen durch den Bornholmer Maler Paul Høm aus Gudhjem im Jahr 1956 wieder in der Kirche angebracht wurden. Die ehemaligen Gemälde aus der Kirche findet man heute in Bornholms Museum.

Altar, Innenraum, Osterlars Rundkirche, Insel Bornholm, Daenemark

Der Altar der Østerlars Rundkirche

Auch die Kirche erlebte in dieser Zeit aufwändige Wiederherstellung. Die Kanzel mit aufwändigen Schnitzarbeiten stammt ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert (ca. 1595). Auch eine Orgel von Marcussen & Sohn wurde 1956 eingebaut. Dieser Raum hat ein Deckengewölbe. Den Mittelpfeiler zieren kunstvolle Kalkmalereinen aus der Zeit um 1350, die biblische Szenen darstellen. Diese wurden zur Zeit der Reformation übermalt und in den 1880er Jahren wieder frei gelegt und restauriert. Inmitten des Mittelpfeilers steht ein Taufbecken. Dieses stammt ursprünglich aus romanischer Zeit und war in der ursprünglichen Kirche von aufgestellt.

Malerei, Mittelsaeule, Innenraum, Osterlars Rundkirche, Insel Bornholm, Daenemark

Wieder frei gelegte Malerei mit biblischen Szenen an der Mittelsäule im Innenraum der Østerlars Rundkirche

Die erste Etage erreicht man über eine, in die Außenmauer eingearbeitete, schmale Treppe. Auch diese war so angelegt, dass sie gut zu verteidigen war. Die Treppe ist sehr schmal und konnte so gut von einem Mann verteidigt werden. Zudem ist sie so angelegt, dass der Verteidiger von oben mit der rechten Hand kämpfte, der Angreifer mit links von unten.

Aufstieg in die oberen Etagen der Rundkirche in Osterlars, Insel Bornholm, Daenemark

Aufstieg in die oberen Etagen der Rundkirche in Østerlars

Die zweite Etage bot Frauen und Kindern im Notfall Schutz und Unterkunft. In Friedenszeiten wurde der Raum auch als bäuerliches Lager genutzt. Auch hier ist der Innenraum des Mittelpfeilers begehbar und die Decke ziert ein Deckengewölbe. Die oberste Etage diente ausschließlig der Verteidigung. Von hier hatte man einen guten Blick weit über die Umgebung. Heute kann man von dort gut die komplizierte Dachkonstrukrion aus Holz bestaunen.

1. Etage der Rundkirche in Osterlars, Insel Bornholm, Daenemark

In der 1. Etage der Rundkirche in Østerlars

Das Dach der Kirche war ehemals nicht spitz. In die ursprünglich flache Dachform war ein Wehr- oder Rundgang eingearbeitet. Erst um 1600, nach dem Verlust der Wehrhaftigkeit der Kirchen durch die Verbreitung von Artillerie und Schusswaffen, erhielten die Kirchen ein kegelförmiges Dach. Die aktuelle Dachkonstruktion datiert auf das Jahr 1744.

Die Dachkonstruktion der Rundkirche in Osterlars, Insel Bornholm, Daenemark

Die Dachkonstruktion der Rundkirche in Østerlars

Interessant ist auch, dass die Fenster der Kirche ehemals sehr klein waren. Das erhöhte die Wehrhaftigkeit der Anlage. Sie wurden in der Reformationszeit durch neue und größere Fenster ersetzt. Auch die markanten Außenpfeiler wurden erst später an das Bauwerk angesetzt. Sie wurden nötig, als statische Probleme durch das hinzugefügte Kegeldach den Erhalt der Konstruktion gefährdeten. Im Vorraum und außerhalb der Kirche kann man drei Runensteine aus der Zeit um 1050 besichtigen. Auch ein Grabstein aus gotländischem Kalkstein steht dort. Der Vorraum der Kirche diente früher als Abstellplatz für Waffen.

Die Rundkirche in Osterlars, Insel Bornholm, Daenemark

Die Rundkirche in Østerlars

Der Glockenturm

Der Glockenturm mit eckigem Grundriss steht, wie bei allen vier Rundkirchen, abseits der Kirche auf dem friedhofsgelände. Beide Glocken wurden in Lübeck gegossen. Die größere stammt aus dem Jahr 1640, die kleinere von 1684.

Glockenturm, Rundkirche Osterlars, Insel Bornholm, Daenemark

Der frei stehende Glockenturm der Rundkirche in Østerlars

Die Templer

Die Østerlars Kirche wird immer wieder mit den Templern in Verbindung gebracht. Der christliche Orden existierte von 1118 bis 1312. Aus machtpolitischen Beweggründen drängte der französische König Philipp IV. auf die Auflösund des Tempelritterordens. Am 22. März 1312 kam ihm der damalige Papst Clemens V. auf dem Konzil von Vienne nach einem langen und aufwändigen Prozess nach und löste den Orden offiziell auf. Viele der Ritter wurden europaweit verhaftet und getötet. Seit dem halten sich Gerüchte, der sehr reiche Orden habe große Teile seiner Schätze an geheimen Orten vergraben. Unter der Kirche wurde unter einer massiven Granitdecke unlängst ein Hohlraum entdeckt. Es gibt immer wieder Spekulationen, laut denen sich dort der Sagenumwobene Templerschatz befinden könnte. Ausgeschlossen werden konnte das wissenschaftlich nicht, sodass die Legenden weiterleben. Es gibt sogar einen Film namens "Der Schatz der Tempelritter", der unter anderem die Østerlars Kirche als Drehschauplatz hatte. Nach einer Theorie des dänischen Journalisten Erling Haagensen könnten die Bornholmer Rundkirchen von den Templern erbaut worden sein. Laut dieser Theorie soll auch der Name Bornholm ("Burgundaholm") von den aus Burgund stammenden Templer herrühren.

Besuch der Kirche

Man kann die Østerlars Kirche von Mai bis September täglich (außer sonntags) besichtigen. Natürlich finden auch regelmäßig Gottesdienste statt. Dazu sind Besucher herzlich willkommen. Sie sollten sich dann allerdings dem Charakter einer kirchlichen Veranstaltung anpassen und den Gottesdienst nicht stören. Auch ist der Platz in der Kirche sehr begrenzt. Sollten also Einheimische zum Gottesdienst wollen, sollte man Ihnen den Vortritt lassen. Auch Konzerte finden regelmäßig in der Østerlars Kirche statt. Im Vorraum der Kirche werden in der Somersaison Infomaterial und Reiseandenken verkauft.

Achtung: Fotografieren ist in der Kirche nur ohne Blitz gestattet !!!

Die Rundkirche in Osterlars mit Glockenturm, Insel Bornholm, Daenemark

Die Rundkirche in Østerlars mit Glockenturm

Öffnungszeiten

Mai und September
Dienstag - Samstag von 9 bis 17 Uhr

Juni - August
Montag - Samstag von 9 bis 17 Uhr und Sonntag von 13 bis 17 Uhr

Eintrittspreis

DKK 20,00 oder 3 €, Kinder (10-18 Jahre) DKK 10,00 oder 1,50 €

Rundkirche Østerlars

Vietsvej 25
DK - 3760 Gudhjem, Bornholm
Dänemark

Web: www.oesterlarskirke.dk (dänisch)



Weitere Fotos der Rundkirche in Østerlars

Der Friedhof der Rundkirche in Osterlars, Insel Bornholm, Daenemark

Der Friedhof der Rundkirche in Østerlars

Die Kanzel in der Rundkirche in Osterlars, Insel Bornholm, Daenemark

Die Kanzel in der Rundkirche in Østerlars

Die Orgel der Rundkirche in Osterlars, Insel Bornholm, Daenemark

Die Orgel der Rundkirche in Østerlars



Interessantes: Østerlars, Rundkirchen auf Bornholm, Bornholms Geschichte