Das Uhrmacherhandwerk auf Bornholm
Eines der vielen traditionsreichen Handwerke auf Bornholm ist die Uhrmacherei. Diese Kunst kam aber eher zufällig auf die Insel. Es war im Herbst des Jahres 1744, als in einer stürmischen Nacht ein holländisches Handelsschiff am Strand zwischen Rønne und Hasle strandete. Das Schiff war auf dem Weg von England nach St. Petersburg. Die zu dieser Zeit recht arme Bevölkerung von Bornholm nutzte solche Gelegenheiten gerne, um das Strandgut zu beschlagnahmen. Es gibt quellen, die davon sprechen, dass Schiffe sogar mutwillig fehl geleitet und zum stranden gebracht wurden. Unter anderem befanden sich unter der Ladung auch fünft englische Standuhren, so genannte „Grandfather Clocks“ für den russischen Zarenhof.
Auf Bornholm gab es zu dieser Zeit keine Uhrmacher und so wurden die Uhren zu den Spinnradmachern Peter und Otto Arboe gebracht. Diese begannen mit der Trockenlegung der Uhren. Dabei waren sie von den Uhrwerken im Inneren so fasziniert, dass sie begannen, diese nachzubauen. Anfangs noch mit einem Schloßscheibenschlagwerk ausgestattet, konnten auch sie bald das präzisere Rechenschlagwerk in ihre Uhren einbauen. Die Uhren waren sehr gefragt und gelangten mit Handelsschiffen nach Dänemark und Deutschland. Die Nachfrage war so groß, dass sich immer mehr Werkstätten auf Bornholm der Uhrmacherei widmen konnten. Die 1820 gegründete „Handelsgesellschaft von Rønne“ zertifizierte ihre Uhren und verkaufte sie in ihrem eigenen Laden in Kopenhagen. 1830 wurde mit Hilfe des dänischen Physikprofessors Hans Christian Örtsed bei der Regierung in Kopenhagen die Zustimmung zur Gründung einer Bornholmer Uhrmacherinnung erlangt. Daraufhin konnten Gesellen- und Meisterprüfungen abgehalten werden, um die Uhrmacherei auf Bornholm einheitlichen Qualitätsstandards zu unterwerfen.

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Im Jahr 1855 gab es bereits 40 Uhrmachermeister die 3000 Uhren im Jahr herstellten. Doch kurz darauf trifft die Industrialisierung das Handwerk auf Bornholm sehr. Industriell gefertigte Uhren aus den USA und Deutschland lösen die großen Standuhren ab und die Nachfrage sinkt drastisch bis im Jahr 1891 die letzte der Bornholmer Standuhren ausgeliefert wird. Doch ein Meister behält seine Werkstatt, um sie im Jahr 1907 zum Museum umzufunktionieren. Seit Mitte der Fünfziger Jahre gibt es wieder einen Uhrmacher in Rönne, der die klassischen Standuhren herstellt. Es gibt verschiedene Ausführungen, die liebevoll „Er“, „Sie“ und „Fräulein“ genannt werden.

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